Mai-Brunch im FKZ: HAUKARI – ein Verein unterstützt Frauen in Kurdistan

1995 gründeten Frauen aus Deutschland den Verein HAUKARI, was übersetzt Zusammenarbeit bedeutet, unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft für interkulturelle Zusammenarbeit. Aktiv ist der Verein in Kurdistan, den 3 nördlichen Provinzen des Irak mit einer eigenen Regionalverwaltung mit eingeschränkten Rechten. Susanne Bötte berichtete über die Arbeit des Vereins.


Frauen dort ist es immer noch nicht möglich, außerhalb der Familie – Herkunftsfamilie oder der des Mannes- zu leben. Viele Frauen sitzen in Untersuchungsgefängnissen, angeklagt wegen Prostitution oder Ehebruch.
Prostitution dort kann heißen, dass die Frau abends alleine unterwegs war. Ehebruch, wenn sie sich weigert, den ihr zugewiesenen Mann zu heiraten.
Seit 20 Jahren ist der Verein in Kurdistan aktiv und hat ein Frauenzentrum gegründet, das Frauen berät, unterstützt und Bildungsangebote organisiert.
Ein Schwerpunkt ist die Arbeit mit Frauen, deren Männer oder Söhne während der Anfaloperation unter Saddam Hussein zunächst verschleppt und wie sich später herausstellte, umgebracht wurden.  Es sollen 180.000 gewesen sein.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aufklärung der inhaftierten Frauen über ihre Rechte. Obwohl es im Irak ein von der Scharia unabhängiges Rechtssystem gibt, das z. B. Ehrenmorde, Vielehe, Genitalverstümmelung und sogar das Vorenthalten der Bildung unter Strafe stellt, ist dies alles immer noch Realität.
HAUKARI hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, Frauen, die aus der Haft entlassen werden, wieder mit ihren Familien zu versöhnen.
Zur Zeit unterstützt der Verein ein Projekt von Frauen, die eine Gedenkstätte für die Anfalopfer, auch als Begegnungsstätte, errichten wollen.

Wie Frau Bötte berichtete, kommen zunehmend auch junge Männer in die Beratungsstelle, die es ablehnen auf Druck ihrer Familien, Ehrenmorde an ihren Schwestern durchzuführen. Wie in vielen muslimischen Ländern gelingt es wohl auch dort Frauen immer mehr, sich für ihre Rechte stark zu machen und kleine Erfolge in Richtung Eigenständigkeit zu erringen. Dies will der Verein auch weiterhin unterstützen.   
 

Text: Inge Bietz